Stromkunden dürften nach einer im Auftrag der
Grünen erstellten Studie im kommenden Jahr rund zwei Milliarden Euro zu
viel zahlen. Über die Studie berichten die „Leipziger Volkszeitung“ und
die „Saarbrücker Zeitung“ in ihren Dienstagsausgaben. Grund für die zu
hohen Zahlungen seien die von 570 Versorgern angekündigten
Preiserhöhungen, schreibt die „Leipziger Volkszeitung“. Die höhere
Umlage für Erneuerbare Energien (EEG), mit der die Preisanstiege
begründet werden, ließe sich aber durch Einsparungen ausgleichen, die
bisher nicht an die Verbraucher weitergegeben wurden, zitiert die
Zeitung aus der Studie.
„Hier wird ein Vorwand genutzt, um
ungerechtfertigte Preiserhöhungen zu kaschieren“, sagte die
stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Grünen im Bundestag, Bärbel
Höhn, der Zeitung. Gesunkene Beschaffungskosten würden nicht an die
Kunden weitergegeben.
„Erhebliches Preissenkungspotenzial“
Die
Energieexpertin der Grünen-Faktion, Ingrid Nestle, sagte: „Die
Versorger erhöhen vielfach die Preise, um ihre Gewinne zu steigern.“
Laut Gutachten sei der Preisanstieg „nicht nachvollziehbar“. So würden
die Konzerne ihr Vorgehen mit der gestiegenen EEG-Umlage von 1,5 Cent
pro Kilowattstunde zum Jahreswechsel begründen. Demgegenüber stehe
jedoch „ein bislang nicht weitergegebenes, erhebliches
Preissenkungspotenzial“, heiße es in der Expertise des
Energiewissenschaftlers Gunnar Harms, der auch stellvertretender
Vorsitzender des Bundes der Energieverbraucher ist. So seien unter
anderem die Beschaffungskosten beim Strom seit Herbst 2008 um 30 bis 40
Prozent gesunken, aber nicht an die Stromkunden weitergegeben worden.
Allerdings kaufen die Energiekonzerne ihren Strom
bis zu drei Jahre im Voraus ein. Fallende Preise an der Strombörse
machen sich daher erst mit Verzögerung bemerkbar. Die großen Versorger
wie
RWE
und
E.on
und der Branchenverband BDEW bestreiten daher immer wieder den Vorwurf
der Abzocke und verweisen auf den harten Wettbewerb. Über 1100 Anbieter
würden um die Stromkunden konkurrieren. Laut dem Vergleichsportal
Verivox kann jeder Haushalt aus weit mehr 70 Anbietern in seinem
Postleitzahlenbereich wählen.