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Kreis Miltenberg Erneuerbare Energien sind die Zukunft der Energieversorgung - eine Aussage, die Karlheinz Paulus (42), Vorsitzender des Energieforums Miltenberg-Aschaffenburg, voll unterschreibt.
Im Gespräch mit Winfried Zang erklärt Paulus, warum es sich lohnt, auf diese Energien zu setzen und es so wichtig ist, die Energie vor Ort zu erzeugen.
Das Energieforum Miltenberg-Aschaffenburg hat sich vor drei Jahren zum Ziel gesetzt, die Region zu 100 Prozent aus Erneuerbaren Energien zu versorgen. Halten Sie dieses Ziel immer noch für realistisch?
Als wir gestartet sind war das Utopie. Mittlerweile geht sogar das Energiegutachten der Bundesregierung davon aus, dass wir in Deutschland bis ins Jahr 2050 80 Prozent des Stroms aus erneuerbaren Energien gewinnen können. Man sieht also: Auch die große Politik bewegt sich bei ihren Zielen in Richtung dessen, was das Energieforum will. Deshalb sehe ich keinen Grund, von unserem Ziel abzurücken. Wichtige Erkenntnisse wird ein Konzept bringen, das von den Landkreisen Miltenberg und Aschaffenburg sowie der Stadt Aschaffenburg in Auftrag gegeben wurde und das bis Jahresende fertig sein soll. Wir erfahren dann auch, wie viel Energie wir einsparen müssen, damit wir mit unseren Ressourcen unseren Energiebedarf decken können.
Welche sind für Sie die wichtigsten Gründe, dieses Ziel zu verfolgen?
In der Zukunft werden die Erneuerbaren Energien die preisgünstigsten Energieformen sein - etwa ab 2020. Wenn wir diese Energie vor Ort produzieren, haben wir eine Wertschöpfung ohne Mittelabfluss. Mit diesem Geld können wir hier Sinnvolles verwirklichen und unterstützen keine Ölscheichs, die Sandinseln im Meer bauen. Aus unserem Landkreis fließen mehrere Hundert Millionen Euro pro Jahr in die Energiekosten, nur ein Bruchteil bleibt bei einheimischen Energieversorgern. Selbst wenn wir nur 50 Prozent schaffen sollten: Dieses Geld bleibt hier. Auch der Klimaschutz ist ein wichtiger Grund für unser Ziel - aber die politische Akzeptanz des Klimawandels ist nicht 100-prozentig da. Die Einsicht, dass wir etwas für das Klima tun müssen, ist nur bei einem Bruchteil der Bürger da, deshalb verweise ich lieber auf den Geldbeutel.
Welches sind für Sie die größten Hindernisse auf diesem Weg?
Die Aufklärung. Nicht jeder Bürger oder Kommunalpolitiker kennt die oben genannten Zahlen. Aber auch der Druck der Wirtschaft ist groß, schließlich ist die Energieversorgung ein Milliardengeschäft. Eine dezentrale Energieversorgung ist natürlich allen großen Energieversorgern ein Dorn im Auge. Dieses Jahr werden wir deutschlandweit rund 20 Prozent unseres Stroms aus erneuerbaren Energien gewinnen - aber nur weniger als zehn Prozent dieser Anlagen sind in der Hand der großen Energiekonzerne. Die Großen haben diesen Trend lange belächelt, aber jetzt merken sie, dass das eine Konkurrenz ist.
Werfen wir einen Blick auf vier Formen der erneuerbaren Energien und deren Bedeutung beziehungsweise Perspektiven in der Region. Da wäre zunächst die Fotovoltaik:
Da sehe ich großes Potenzial, da es noch viele Dächer ohne Anlage gibt. Für den privaten Hausbesitzer wird es ab 2014 billiger sein, Fotovoltaikstrom selbst zu erzeugen, als ihn bei seinem Energieversorger zu kaufen. Netto zahlt man derzeit ungefähr 18 bis 19 Cent pro Kilowattstunde, auf der anderen Seite wird die Einspeisevergütung so weit sinken bis zu einem Punkt, wo man sagt: Da verbrauche ich meinen Strom lieber selbst. Dann wird das Potenzial der Fotovoltaik weiter steigen. Die Industrie kauft viel günstiger ein - für zwölf oder 13 Cents. Bei denen dauert dieser Prozess natürlich länger. Aber auch die werden nachdenken, wenn die Preise für die Module sinken.
Was ist mit der Windkraft?
Das ist die günstige Art, Strom zu erzeugen. Der Regionalplan verhindert zurzeit leider noch, dieses Potenzial hier bei uns voll zu nutzen. Die Kilowattstunde Strom ist mit Windkraft für neun Cents zu erzeugen - für dieses Geld kriegt man weder Strom aus Windkraftparks im Meer oder aus Solarprojekten wie Desertec, der erst hierher transportiert werden muss. Wir werden den Strom auch aus einem neuen Staudinger-Kohlekraftwerk nicht billiger bekommen als aus Windkraft - aber nur, wenn wir die Projekte selbst realisieren. Wenn der Wind mal nicht weht, brauchen wir zum Ausgleich Windkraftanlagen in anderen Ländern, von wo aus der Strom hierher transportiert wird. Aber das wird ja heute schon gemacht - im Frühjahr beispielsweise von Norwegen nach Spanien. Es ist nur sinnvoll, wenn man es mit Kapital aus der Region macht und das Geld nicht anonymen Investoren in Berlin oder sonst wo in den Rachen wirft.
Dann wäre da noch die Wasserkraft …
Dieses Potenzial ist leider weitestgehend ausgenutzt durch die Staustufen, die quasi im Besitz von E.ON sind. Ein paar kleine Mühlen könnten für die »kleine Wasserkraft« noch reaktiviert werden, aber dieses Potenzial ist im Vergleich zur Windkraft minimal.
… und Strom aus Biomasse.
Das Potenzial ist nicht so riesig. Bei unserem jetzigen Energiebedarf können wir nur rund zehn Prozent mit Holz aus dem Wald decken. Wenn wir unseren Energiebedarf weiter senken, könnte dieser Wert bis 2050 vielleicht auch auf 20 Prozent steigen, mehr aber nicht.
Welche Bedeutung haben für Sie dabei Betreibermodelle?
Sie spielen eine große Rolle. Das Energieforum klärt die Menschen auf, wie solche Anlagen regional betrieben werden können. Die regionalen Banken stehen für die Finanzierung bereit, Kapital ist auch vorhanden. Es braucht nur Mut in den Gemeinden, solche Projekte anzugehen. Es gibt ja auch kleine Formen: Etwa in Amorbach-Beuchen, wo ein Nahwärmenetz errichtet wurde, das mehrere Haushalte versorgt. Damit wird die Wertschöpfung im Ort gehalten. Zu einer Informationsveranstaltung in Amorbach zum Thema Windkraft kamen fast 200 Leute - das Interesse ist also da. Bürgermeister Peter Schmitt hat erkannt, welches Potenzial eine solche Anlage für seine Stadt hätte. Jetzt müsste nur noch der Regionalplan geändert werden, um solche Projekte zu fördern. Der Landkreis Miltenberg steht erneuerbaren Energien auf jeden Fall aufgeschlossen gegenüber; der Landkreis Aschaffenburg ist da wohl noch nicht so weit, wie bei der Versammlung gesagt wurde.
Im vergangenen Sommer wurde die Friedrich-Wilhelm-Raiffeisen-Energiegenossenschaft gegründet, die sich die Verwirklichung solcher Betreibermodelle auf die Fahnen geschrieben hat. Was ist bislang passiert?
Wir haben zwar die Zusage für Flächen, auf denen wir Photovoltaikanlagen errichten können, aber realisiert ist noch nichts. Das liegt daran, dass knapp ein halbes Jahr ins Land ging, bis die Genossenschaft rechts- und handlungsfähig war. Dann wurde die Einspeisevergütung gekappt und so tun wir uns zurzeit schwer, die Anlagen mit einer vernünftigen Verzinsung in Betrieb nehmen zu können. Wir warten ab, bis die Modulpreise um weitere fünf bis zehn Prozent gesunken sind, so dass wir das erste Projekt beginnen können. Wir sind aber derzeit in Gesprächen mit weiteren Interessenten. Eins ist klar: Die Zukunft liegt darin, dass Bürger mit eigenem Kapital vor Ort Energie erzeugen und davon profitieren. Über den Solarpark in Richelbach beispielsweise bin ich nicht erfreut. So gut das Projekt auch sein mag - der Bürger vor Ort profitiert davon nicht, sondern auswärtige Investoren.
Ziehen Sie einmal den Vergleich zu den Anfangstagen des Energieforums: Hat sich in der Bevölkerung die Akzeptanz erneuerbarer Energien geändert?
Ja, auf jeden Fall. Mittlerweile kennt jeder jemanden, der eine Fotovoltaikanlage betreibt. Man sieht, dass das funktioniert. Insgesamt sind die Bürger besser informiert, wie sich ein Strompreis zusammensetzt oder wie die Benzinpreise entstehen. Auch Kommunen fragen uns häufiger um Rat.
Einen großen Teil der Vereinsarbeit nimmt die Energieberatung ein. Wie groß ist hier das Interesse der Bürger?
Ich würde mir wünschen, dass mehr Leute das Angebot nutzen. Schön wäre es auch, wenn mehr Handwerker vor Ort mitwirken und ihre Kunden darauf hinweisen würden, dass es Fördermöglichkeiten gibt. Mit Banken und Sparkassen arbeiten wir gut zusammen und haben deren Berater sensibilisiert, dass sie Bau- und Sanierungsinteressenten an Energieberater verweisen, damit sie mehr über Fördermöglichkeiten erfahren. Jeder Interessent muss im Landratsamt Miltenberg einen Termin vereinbaren. Für 15 Euro bieten wir ihm eine grundsätzliche Einschätzung des Bau- oder Sanierungsvorhabens und können sagen, ob es Förderungen gibt.
Quelle:main-netz.de
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