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+ 18.08.10 + Windkraft verwirrt Radars |
Die Luftwaffe verhindert den Bau von hunderten Anlagen. Dadurch geraten sogar die Öko-Strom-Ziele in Gefahr.
Alles hatten sie beim Windkraftparkbauer Energiekontor
erfolgreich hinter sich gebracht: Mit der Stadt Langen in Niedersachsen
gab es keine Probleme, die Naturschutzauflagen waren ebenfalls erfüllt.
Etwa 250 000 Euro hatte das Bremer Unternehmen schon in die Planung für
die Erweiterung eines Windparks gesteckt. Drei Windräder sollten
zusätzlich aufgestellt werden, keine große Sache also. "Alles sah
wunderbar aus", sagt Ragna Lohmann von Energiekontor. Dann kam die
Bundeswehr, genauer gesagt die alten Radars der Luftwaffe, ins Spiel.
Die
Wehrbereichsverwaltung legte Einspruch gegen den Antrag auf die drei
neuen Windräder ein, mit einer Begründung, die abenteuerlich klingt,
aber immer häufiger in der Nähe von Luftwaffenstützpunkten vorgebracht
wird: Gefährdung der Wehrbereitschaft. Laut Luftwaffe stören die
Windräder die Radaranlagen des nahegelegenen Stützpunktes Nordholz, wo
das Marinefliegergeschwader 3 "Graf Zeppelin" stationiert ist. "Damit
ist die Erweiterung so gut wie gestorben", sagt Lohmann von
Energiekontor, "und wir bangen derzeit um viele weitere Projekte".
Ein
Einzelfall sind die Probleme von Energiekontor nicht. Im Umkreis von
bis zu 80 Kilometern rund um dutzende Bundeswehrflugplätze werden immer
häufiger neue Windräder verhindert. Laut dem Bundesverband Windenergie
(BWE) liegen durch Einsprüche wie bei Nordholz Anlagen mit einer
Leistung von 1 458 Megawatt auf Eis – das entspricht 500 größeren
Windrädern, die maximal soviel Strom wie zwei Kohlekraftwerke
produzieren können. 1,6 Milliarden Euro Investitionen werden durch die
Bundeswehr blockiert. Und: Die Finanzierung neuer Projekte werde
schwieriger, wenn mit einem Veto der Bundeswehr gerechnet werden muss.
"Das ist sehr ärgerlich", sagt ein Sprecher des Verbandes, "das Problem
hat eine Größenordnung erreicht, die die Öko-Strom-Ziele der
Bundesregierung gefährdet".
Auch neue, digitale Radars bringen keine Verbesserung
Bei
der Bundeswehr wird das Wind-Veto mit den erheblichen Schwierigkeiten
begründet, die Windmühlen der Radarüberwachung bereiten. Die Anlagen
"werden mit ihren rotierenden Elementen vom Radar als Bewegtziele
erkannt", sagt ein Sprecher. Damit unterschieden sie sich im Vergleich
zur nicht beweglichen Bebauung und zu natürlichen Hindernissen
gravierend. "Sie liefern Zielinformationen, die das Erkennen von
Luftfahrzeugen erschweren oder ganz ausschließen." Kurz: In der Nähe von
Windparks könnte auch ein Terrorist im gekaperten Flugzeug den
Bundeswehr-Radars entgehen.
Bemerkenswert ist, dass
selbst die neuen, digitalen Radars, mit denen die Bundeswehr derzeit
nach und nach ausgestattet wird, keine Verbesserung bringen, im
Gegenteil: Störungen fallen "sogar noch stärker ins Gewicht", sagt der
Sprecher. Derzeit werde allerdings getestet, ob nicht doch technische
Nachrüstungen bei den neuen Anlagen möglich sind, die das Problem
beseitigen. Möglich ist das: Große Zivilflughäfen haben kaum Probleme
mit neuen Windrädern.
Der BWE befindet sich derzeit in
Verhandlungen mit der Bundeswehr, wie der Konflikt gelöst werden kann.
Das Bundesumweltministerium hat sich eingeschaltet und vermittelt. Eine
Möglichkeit: In Gebieten mit Windparks werden sogenannte Transponder in
Flugzeugen zur Pflicht erklärt. Diese Geräte senden eigenständig ein
Positionssignal, die Flugzeuge lassen sich dann trotz Windrädern
zuordnen. Eindringlinge können damit allerdings auch nicht besser
erkannt werden.
Quelle: Fr-Online.de
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