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WirtschaftsBlatt: Herr Thaler, Europa braucht Ihrer Schätzung zufolge bis zu 25 GW zusätzlich pro Jahr. Wie kann der Bedarf reduziert werden?
Harald Thaler, Industry Director Energy & Environment, Frost & Sullivan: Ein Weg ist die Senkung des Stromverbrauchs, was durch mehr Energie-Effizienz und Energiesparmaßnahmen erreicht werden kann. Das Vorhaben, die Energie-Effizienz bis 2020 um 20 Prozent zu erhöhen, hat zuletzt wegen des sinkenden Energiebedarfs im Zuge der Wirtschaftskrise etwas an Bedeutung verloren. Aber es könnte nun doch rascher gehen als angenommen. Energiesparmaßnahmen wiederum können die Laufzeiten von Kraftwerken reduzieren, wodurch diese länger operativ tätig sein können und daher nicht durch neue ersetzt werden müssen. Eine andere Möglichkeit, den Bedarf an neuen Kapazität zu senken, ist generell ein längerer Betrieb bestehender Kraftwerke. Es gibt zwar den typischen Lebenszyklus eines Kraftwerk, doch dieser kann individuell sehr unterschiedlich sein, abhängig von der Strategie des Betreibers und den jeweiligen Preisen für die Ausrüstung. Wenn es zum Beispiel gerade teuer ist, neue Kraftwerke zu bauen, werden die Betreiber die bestehenden länger in Betrieb lassen. Dazu kommen Widerstände der Öffentlichkeit gegen die Errichtung und die langen administrativen Wege, die da zu gehen sind. Das alles erklärt, weshalb die Lebenserwartung von Kraftwerken steigt, oft werden diese mit den neuesten Technologien gegen Luftverschmutzung ausgestattet. Letztlich ist aber die Kernkraft hier als weiteres wichtiges Thema zu nennen. Im Zuge der verlängerten Betriebszeiten der Kernkraftwerke in Deutschland überlegen andere Länder ähnliche Schritte. Zugleich wird das Thema Tschernobyl weniger wichtig, daher geht es weg von politisch motivierter Stilllegung von Nuklearenergie, hin zu einer technisch motivierten - diese Kraftwerke können ja 50 bis 60 Jahre laufen.
Europa will bis 2020 auf 20 Prozent Anteil der erneuerbaren Energie kommen - ist das überhaupt realistisch?
Ja, ich glaube, das ist realistisch, aber es wäre wichtig, dass sich Investitionen in diesen Sektor in den nächsten zwei Jahren deutlich erhöhen. Es gibt eine große Anzahl an Projekten für erneuerbare Energie, die zu starken Kapazitätszuwächsen führen würden. Doch für die meisten davon gibt es noch keine Projektfinanzierung, weil die Banken wegen der Krise da sehr vorsichtig geworden sind. Ich glaube aber, dass sich das erholen wird. Erneuerbare Energie bleibt ein Investment-Fokus für Infrastruktur in Europa. Also: Wir glauben, dass 20 Prozent realistisch sind - aber nicht, weil jedes Land das Ziel erreicht, sondern weil Länder darüber hinausschießen.
Herr Raspin, Green Building wird wichtiger. Was können Regierungen tun, um die Bedeutung zu steigern?
John Raspin, Practice Director Energy & Environment, Frost & Sullivan: In den meisten Fällen ist der Zugang zu Finanzierungen die Herausforderung. Einerseits unterstützen Regierungen der meisten EU-Länder erneuerbare Energie stark, es sind viele Förderungen zugänglich. Andererseits gibt es weniger Finanzierungsmöglichkeiten für Gebäuderenovierung. Die Technologien, wie beim Errichten eines Gebäudes Verbesserungen der Energieeffizienz erreicht werden können, sind ja vorhanden, die Märkte wachsen. Doch wegen der erwähnten Einschränkungen ist das Wachstum da nicht so stark wie es sein sollte. Regierungen sollten bei Green Buildung genauso viel Initative zeigen wie bei erneuerbarer Energie. Tatsächlich kann die Steigerung der Energieeffizienz von Gebäuden größere Auswirkungen auf die Reduzierung des CO2-Ausstoßes haben als die erwähnten 20 Prozent Anteil erneuerbarer Energie.
Welche Länder sind bei Green Building voran?
Bezüglich des Einsatzes von Technologie gibt es wenig Unterschiede zwischen Ländern, da Märkte und Player international sind. Jedoch gibt es Unterschiede am Wohnmarkt, weil die Einstellung zum Klimaschutz variiert. In Europa sind da Deutschland, Österreich und die skandinavischen Länder führend.
Quelle:wirtschaftsblatt.at
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